Strukturwandel in der Lausitz – für der Schiene nur Schmalspurforderungen

Das Thema Strukturwandel in der Lausitz ist in unserer Region in aller Munde. Unabhängig davon, wie man jetzt zum Thema Braunkohleverstromung steht, dürfte unstrittig sein, dass strukturelle Maßnahmen für die Lausitz endlich in einer größeren Dimension auf die Tagesordnung kommen müssen. Der Strukturwandel in der Lausitz hat eigentlich schon vor 28 Jahren begonnen, als die damals vorherrschende Kohleindustrie ihren ersten Zusammenbruch erlebte.

Gerade, was das Thema Eisenbahninfrastrukturentwicklung betrifft, hat sich seitdem zu wenig getan. Die heute elektrisch betriebenen Lausitzer Bahnstrecken sind bis auf den Ende 2018 ans Netz gegangenen Abschnitt von Knappenrode nach Horka der Bahnstrecke Dessau – Horka – deutsch-polnische Grenze bereits zu DDR-Zeiten elektrifiziert worden. Lediglich der aber auch nur als halbherzig zu bezeichnende Ausbau der Bahnstrecke Cottbus – Berlin auf 160 km/h sticht hervor. Das fehlende zweite Gleis zwischen Cottbus und Lübbenau sowie der nicht beseitigte Engpass Bahnhof König-Wusterhausen schmälern die Leistungsfähigkeit der Ausbaustrecke erheblich. Der Bahnhof Königs-Wusterhausen ist inzwischen Teil des Projektes i2030 zwischen den Ländern Brandenburg, Berlin und der Bahn.

Zwar wurden auch zahlreiche Bahnsteige in der Lausitz modernisiert und in den Eisenbahnknoten Ruhland wurde in den letzten Jahren erheblich investiert. Der Ende 2018 modernisiert in Betrieb gegangene Personenbahnhof Ruhland ist aber heute auch nur genau so leistungsfähig wie er vor den Sparmaßnahmen der Ära Mehdorn auch schon war, nur mit modernen Bahnsteigen und Signalanlagen.

Im Zuge des Strukturwandels gibt es nun ein Sofortprogramm des Bundes für die Kohleländer, welches 160 Millionen Euro schwer ist und natürlich noch deutlich mehr beinhaltet, als Infrastrukturmaßnahmen. Vor allem das Thema Forschung steht ganz oben auf der Agenda. Die Brandenburger Landesregierung hat Ende 2018 ein Strukturprogramm mit 33 Sofortmaßnahmen für die Lausitz verabschiedet, deren Gesamtumfang die Mittel des Bundes jedoch deutlich übersteigt. Dazu zählt an erster Priorität der 2-gleisige Ausbau zwischen Cottbus und Lübbenau.

Es fällt auf, dass die Schieneninfrastruktur in der Lausitz beim Thema Strukturwandel nur mit 2 Themen vorkommt, eben dem 2. Gleis zwischen Cottbus und Lübbenau und der Elektrifizierung der Strecke Cottbus – Horka – Görlitz. Genau betrachtet sind das Forderungen, die vor dem Hintergrund der Aufgabe Strukturwandel in der Lausitz sehr schmalspurig daherkommen. Das zweite Gleis zwischen Cottbus und Lübbenau verschwand nach dem 2. Weltkrieg in Folge der Kriegsreparationsleistungen Ostdeutschlands an die damalige Sowjetunion. Dass es heute, 73 Jahre später, immer noch fehlt und jetzt das wichtigste Infrastrukturprojekt für den Lausitzer Strukturwandel wird, ist eher ein Armutszeugnis für die deutsche Verkehrspolitik, als ein Aushängeschild. Mit der Elektrifizierung der Strecke Cottbus – Görlitz verwirklicht man den ersten Schritt für eine Fernverkehrsstrecke von Berlin in den Raum Krakau in Polen. Das ist eher Teil eines europäischen Fernverkehrsprojektes, als ein echtes Projekt für die Lausitz, auch wenn der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) durchaus von dieser Maßnahme profitieren kann. Interessant wird die Sache aber erst, wenn man auch über eine höhere Streckengeschwindigkeit und wenigstens einen teilweisen 2-gleisigen Ausbau der Trasse nachdenkt.

Völlig fehlen beim Thema Strukturwandel Maßnahmen, die das Lausitzer Oberzentrum Cottbus besser an die sächsischen Großstädte Dresden und Leipzig anbinden und von denen auch andere Regionen in der Lausitz profitieren, z.B. das ehemalige Senftenberger Revier. Hier existieren heute mangelhafte Lösungen für die Fahrgäste. In Leipzig werden die Fernverkehrsanschlüsse nach Süd- und Südwestdeutschland durch den Regionalexpress aus Cottbus um wenige Minuten verfehlt. Die Verbindung Cottbus – Senftenberg – Dresden krankt an einer viel zu langen Fahrzeit. Für beide Verbindungen gilt zudem, dass die heutigen nur 2- stündlichen Direktverbindungen nicht mehr zeitgemäß sind. Die Bahnverbindung Cottbus – Forst kann durch den Ausbau der Strecke Cottbus – Görlitz endgültig ins Abseits geraten, wenn man nicht auch hier eine gemeinsame Lösung mit Polen findet. Diese Strecke ebenfalls zu elektrifizieren, wäre ein erster Schritt, wäre die Strecke doch in Cottbus zukünftig ohnehin als einzige dieselbetriebene SPNV-Strecke nur eine Insellösung. Auch der Bahnverbindung von Cottbus nach Frankfurt als Verbindung zweier Universitätsstädte oder der Bahnstrecke Lübbenau – Senftenberg täten Fahrzeitgewinne gut. Senftenberg ist ohnehin ein guter Gradmesser für die Qualität des SPNV. Die Reisezeiten der Bahn von Senftenberg nach Berlin, Dresden und Leipzig können heute in keinem einzigen Fall mit denen des motorisierten Individualverkehrs Auto konkurrieren. Ein Umstand, der änderbar ist.

Mit vergleichsweise geringem Investitionsaufwand ließen sich für die vorgenannten Strecken ein deutlicher Bedeutungs- und Effizienzgewinn erzielen, der auch mehr Verkehr auf der Schiene zulassen würde. Mehr Bahnverkehr heißt letztendlich auch mehr Arbeitsplätze, schnellere Verbindungen in benachbarte Boomstädte bedeuten erhebliche Verbesserungen für Pendler, bessere Schienentrassen für die Güterbahn helfen auch, Industriestandorte wie Schwarzheide oder Schwarze Pumpe zu sichern und weiter zu entwickeln. Und darum geht es doch eigentlich beim Thema Strukturwandel.

Es wird Zeit, das Thema Schienenverkehr in der Lausitz gesamthaft zu denken und nicht wieder nur einzelne Leuchttürme in den Himmel wachsen zu lassen, die in Wirklichkeit keine sind.